Das vierte Mal bin ich in diesem Jahr im Januar zu Giovanna gereist. Am 17. Januar gings bei Schneesturm
und Wind hier los. Der Flug war Hölle, das allererste Mal, dass ich die Kotztüte bereits in der Hand hatte. Es war ein Hin und Her, Rauf und Runter, das habe ich so noch nie erlebt. Grässlich. Da nutzt es auch nichts mehr, wie Birgit so schön sagt, Gangplatz und einbilden, man sitzt im Bus...
 
Angekommen hat mich Gio abgeholt, weil sie ihren Papa auch gerade zum Flughafen gebracht hatte,
der flog mit der Maschine zurück, mit der ich kam.
 
Ich habe mich sehr gefreut, sie wiederzusehen, kenne ich sie doch schon 8 Jahre jetzt. Nach einem
kurzen Einkauf bei Lidl gings für mich dann schon in die Wohnung und gleich ins Bett, ich war
seit 3 Uhr morgens wach und mehr oder weniger am Ende.
 
Ich kann die Tage nicht mehr im Detail schildern. Im Endeffekt habe ich Giovanna als Begleiterin
einfach durch ihre Tage aufm Beifahrersitz erlebt. Und es ist der Wahnsinn, was diese Frau leistet, weil
sie es ganz einfach muss. Am ersten Tag schnell zur Tankstelle. Die Katze, deren Kitten Silvia gefilmt hatte,
mußte kastriert werden. Muschmusch war aber nicht da. Also derweil in die Pension, da nach dem Rechten
gucken. Anruf: *Muschmusch* sitzt jetzt im Kennel. So, wieder zurück, die Katze zum Tierarzt gebracht (der übrigensein sehr böses Kätzchen in seiner Praxis hat, wunderschön wie Dubby, aber hinterfotzig wie der Sausack),
der Giovanna dann fragte, ob sie ihre Mutter dabei hat (ähm, hääää?).
 
 
Ins Tierheim, Therapien machen. Ich habe derweil die Katzen mit Leckerlies beglückt und Isabel,
die nicht auf der Seite ist, bespasst. (in den Bildern die weiße Dodo Argentino).Es sind so viele Hunde
dort, ich kann es jedes Mal aufs neue nicht fassen.
 
 
So vergingen die Tage. Ich liebe es, dort zu sein. Morgens gehts um 10 für MICH los (es ist
ja auch ein wenig Urlaub, und wenn ich schon mal OHNE Katzen schlafen kann...), aber da war Gio
schon lange auf den Beinen. Die Tierpensionen sind echt schön, sehr gut geführt, da kann ich jeden
beruhigen. Am meisten liebe ich die Pension von Evelina (glaub, die heißt so...). Da war ich gleich
mal von Dutzenden Hunden umringt, einer netter als der andere.
 
 
Jeden Morgen sind wir dann schnell in die Bar gehuscht aufn Kaffee. Die liegt bei Giovanna um
die Ecke. Montag haben wir grad den Kaffee gekippt, als ein Anruf kam. Giovanna meinte *Mein Schwiegervater
hat nen Hund gefunden, der ist total schlecht beinander*. Also gleich rüber zum Schwiegervater,
der macht das Tor auf und was ist drin? Ein allerliebster Mischling. Gefunden. In der Pampa. Und
ist ihm nicht mehr von der Seite gewichen bis zuhause. Wir haben sie dann in die Pension gefahren, und
ich hatte sie im Auto auf dem Arm. Da ist sei gleich eingeschlafen. Ich durfte ihr dann einen Namen
geben und sie heißt Jacky, und wird demnächst wohl auch in der Vermittlung sein. So eine Süsse. Was mich allerdings sehr wunderte, war, dass der Hund so fit dastand, und ich fragte dann doch mal schüchtern nach, was der Hund denn jetzt hat, weil er doch sehr lebendig ist. Ok, ich hatte es falsch verstanden, der alte Herr hatte ne Erkältung und war nicht fit...
 
Man sieht soviel dort. Hunde, die Besitzer haben, aber halt nicht kastriert. Die rannten fröhlich durch
die Straßen, das läufige Weibchen voraus, der Rüde hinterher. Auch in meiner Straße war ein fröhliches Paaren von
Katzen zu sehen, ich hab den Kater zwar von oben runter gejagt, aber na ja, der kommt wieder...
Leider ist es halt, wie Giovanna mir sagte, ein Kampf mit dem Kastrieren. Viele Besitzer erlauben es schlicht
und einfach nicht.
 
Dann geh ich einmal morgens aus dem Haus, und ein Hund mit gerissener Kette hängt im Gullideckel fest. Mit der
Kette verhakt. Zum Glück kam Gio grad um die Ecke und hat ihn daraus befreit. Es ist wirklich schlimm, wieviele der
Hunde auf Balkonen oder an Ketten leben.
 
 
Wenn man es allerdings kritisch betrachtet, mag nicht jeder Streuner meiner Meinung nach ins Wohnzimmer, egal wo.
Es gibt sie wirklich, die Streuner, die einfach rumrennen, gefüttert werden, relativ gut genährt sind, aber
ein autarkes Leben genießen. Ich glaube, ein Hund, der Jahre so lebt, und dann weg muss - weil die Vergiftung droht, er die Nachbarn stört, ect - für den ist das Tierheim der Horror schlechthin. Es könnte so einfach sein. Wenn man kastrieren würde, Futterstellen einrichten, ect. Aber die Kastrationen sollten dann in erster Linie auch für
die freilaufenden Haushunde gelten. Denn die Streuner werden ja sofort kastriert. Aber wenn die Einwilligung der
Besitzer für die "Hausstreuner" fehlt, dann begibt man sich eben auch auf dünnes Eis.
 
Die Katzen sind sehr gut versorgt im Tierheim. Durch das Freigehege (ich erinnere mich mit Grausen an meinen
ersten Besuch, als sie noch in der Garage waren) haben sie einfach etwas mehr Platz, Ausweichmöglichkeiten und können die frische Luft genießen. Aber es ist halt kein Leben für eine Katze. Zusätzlich gibt es jetzt noch zwei
Container, in denen junge Katzen sind. Der zweite ist (noch) leer gewesen, da kam Muschmusch nach
der Kastration rein. Fragt nicht, wie die am nächsten Tag abging. Jesses. Die lief senkrecht die Wände hoch, irgendwie hat Giovanna sie dann in die Enge getrieben und konnte sie in die Box setzen. An der Tankstelle, an der sie lebt und versorgt wird, war sie schnell weg. Und noch schneller, als Giovanna am Abend mit einem Antibiotika wiederkam :).
 
Es waren aufregende Tage, zuviel, um alles zu schreiben. Giovanna leistet einen grandiosen Job, ich würde an ihrer Stelle durchdrehen. Was sie manchmal im Auto auch tut - ich grinse dann in mich hinein. Allein was die Frau unterwegs ist, ist einfach der Hammer.
 
Mit dem Wetter wurde ich in diesem Jahr sehr verwöhnt, Temperaturen bis zu 18 Grad in der Sonne, es war wunderbar.
Auf dem Rückweg von der Tierpension haben wir einmal noch einen Ort namens Caserta Vecchia besucht. Wer immer mal dort ist, bitte guckt Euch das an. Ein mittelalterliches Dorf, mit so engen Straßen, dass kaum Autos dort sind. In den Straßen tummeln sich Hunde und Katzen - sehr gut gepflegt - friedlich miteinander. Natürlich fehlen wieder die Kastrationen, zumindest bei so einigen.

Aber wenn das Problem gelöst wäre, ist es der schönste Ort, an dem man sich ein Tierleben vorstellen kann. Die Tiere haben sogar Halsbänder mit Marken und Namen um - Giovanna erklärte es mir so, dass natürlich auch besorgte Touristen dann nicht auf die Idee kommen, die Hunde einfach mitzunehmen, weil sie Besitzer haben. An den Mauern hängen überall Blumen, und Blumen werden auch in alte Lederschuhe gepflanzt (eine tolle Idee, die ich annehmen werde für daheim). Ein ganz, ganz toller Ort, wo man einfach mal für eine Stunde
runterkommen kann.
 
Am Mittwoch bin ich wieder in meinen Flieger und ich merke, dass mir der Abschied jedes Mal schwerer
fällt. Ich hoffe immer noch auf meinen Lottogewinn, denn dann werde ich auf jeden Fall in Süditalien leben. In einem schönen Haus, mit vielen Katzen und ein oder zwei älteren Hunden. (träum weiter, Silvia...).
 
Mit Bildern kann ich Euch leider nicht so sehr verwöhnen in diesem Jahr - mein Handy fiel am Montag ins Klo...seitdem liegt es im Reisbett und ich hoffe, es erholt sich wieder...Ich bin fast ausgeflippt, was habe ich immer über solche Leute gelacht, und EINMAL habe ich das blöde Handy in der Rücktasche meiner Jeans, dann sowas. Ich ersparte Euch die Einzelheiten der Rettungsaktion und kann auch momentan nicht ins CDI-CAFE, weil ich das alte Handy und Passwort vergessen habe.
 
Danke an Dich, Giovanna, für Deine und Giacomos Gastfreundschaft, und dass Du mich immer mit stoischer Ruhe erträgst,
meine Fragen geduldig beantwortest und die BESTE Lasagne der Welt machst (habe mir gerade Nudelplatten und Hack besorgt).
 
Ich weiß, dass Du diese Lobhudelei nicht magst - verstehe ich auch - aber als Kopf und Frontfrau von CDI bist du neben all den ehrenamtlichen Helfern einfach nicht wegzudenken. Du bist ein besonderer Mensch, der die Tiere wirklich sehr am Herzen liegen und jemanden wie Dich findet man - bin ja auch schon ne Ecke dabei - im Tierschutz sonst sehr selten. OK, genug geschleimt, ja, ich will halt wiederkommen hahaha.
 
In diesem Sinne, Ciao Caserta, grazie bis zum hoffentlich nächsten Mal :)

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