„Nelly & Scricciolo“

Nach langer PS-Abstinenz nun also was Kleines.
Das passt noch überall hinein oder dazwischen, das ist Alles in Allem einfacher und leichter zu handhaben. EIN Kleines geht allerdings irgendwie unter. Und ein Hintergedanke war: sind es zwei, die sich ein Trauma teilen, wird  leichter Freundschaft geschlossen. Dann brauchen Ennio&Dante niemanden in ihr Rudel aufnehmen, sie werden nicht automatisch der Fels in der Brandung (mit dazugehöriger Verantwortung) – das entlastet die beiden. Dante findet „klein“ ja noch super. Ennio nicht.  Es bewegt sich so schnell. Da wedelt keine Rute: sie flitzt. Die laufen nicht. Die tippeln herum.
Solange sie ihm nicht im Gesicht oder zwischen den Beinen herumzappeln, zu spät erkennen, dass sein Bett SEIN Bett ist (und da ist noch eine Veranda drumherum: wer es nicht mitgekriegt hat), solange ist er in gewohnter Manier tolerant und rücksichtsvoll.
Insgeheim hatte mir ja auch vorgeschwebt, es bildet sich ein so zauberhaftes Pärchen wie es dazumal die M&Ms waren. Das kann ich jedoch schon jetzt sagen: das sind sie nicht wirklich...
Nicht, dass sie sich nicht verstehen würden: sie spielen herrlich zusammen, haben sich in dieser mächtigen und verwirrenden Zeit des Umbruchs aneinander gehalten, wie erwartet. Doch so süß sie auch wirken gemeinsam: sie unterscheiden sich so sehr, dass es anstrengend werden könnte, sie sich als gemeinsame Begleiter zur Seite zu stellen.

Scricciolo (Leo sagte mir übrigens, es bedeute „Zaunkönig“) ist so dermaßen süß, dass man bei seinem Anblick glatt Zahnweh bekommen könnte. Dieses Gesichtchen lässt jedem die Milch einschießen. Ja. Auch dem Sohn und dem Mann.
Er ist zärtlich und zurückhaltend, vorsichtig und der ruhigere, nicht so helle Typ (das Köpfchen ist aber auch echt superklein!!). Er ist mit wenig zufrieden – Haus und Garten reichen ihm weit. Er braucht die große weite Welt – vor allem bei Regen - gar nicht so sehr zu erkunden (das kann noch wachstumsbedingt sein, denn sein Gesicht vertuscht etwas die Tatsache, das er gebäudemäßig gerade nicht so punktet. Er ermüdet schnell. Baby? Kurze Beine? Unsere Runden sind noch sehr überschaubar...) Und wenn – na ja. Dann lieber am Bein eines Menschen, der den Überblick hat. Er weiß, wie klein er ist. Aber auch, wie süß er ist. Er kann ganz prima betteln (es nach ca. 10 Minuten ignorieren aber auch einstellen) und Sofa und Bett wären ihm ganz recht (wird hier im Hause nicht praktiziert: dann nimmt er brav jedes Hundebett). Schoß auch. Hauptsache, es ist kuschelig und geborgen. Das ist seines. Er schmiegt sich einem in den Arm, die Hand, den Schoß. Und er ist ein großer und erfolgreicher Fliegenfänger. Alles, was ihm allerdings Unnatürlich scheint, wird süßhundtypisch verbellt (Pferde&Katzen).
Da er frisch kastriert ankam, waren wir schon beim Tierarzt (wo er sich – tadaa – zuckersüß benahm, obwohl die zweite Spritze brannte) und nutzten die Gelegenheit zu wiegen: 6 Kilogramm genau. Bei einer zollstockgenauen Schulterhöhe von 30 Zentimetern. Ein Herzchen.

Nelly hingegen...nun, ich denke sie ist das, was meine (Vor-)Urteile zu (Zwerg)Pinschern recht genau widerspiegelt (und ich denke nicht, dass bei ihr rassemäßig viel mehr mitgemischt hat). Ich muss dazu erwähnen, dass ich Pinscher bisher nur vom Sehen und Hörensagen kenne. Doch ohne jemals einen persönlichen Kontakt auch nur zu einem Exemplar dieser Rasse gepflegt zu haben, waren sie meine heimlichen Kleinhundfavoriten. Weil sie wirken wie 30 Kilo Hunde, die auf 10 Kilo geschrumpft sind. Läufertypen. Muskulöse, wohlproportionierte Tiere mit Ehrgeiz...
In Nellys Fall sind es übrigens 9,6 Kilo. Bei 40 cm Schulterhöhe.
Sie ist eine smarte, besitzergreifende, forsche, unerschrockene, mit Sicherheit rattenfangende , kesse, kleine Maschine, deren größte Sorge es ist, auf den Arm genommen werden zu können und das Essen zu verpassen. Und sie ist zauberhaft!
Sie hat am ersten Tag schnell abgewogen, wer in diesem Haus den dominantesten Eindruck vermittelt und postwendend entschieden: Dieser Mensch passt zu ihrer geistigen Größe, das ist ihrer. Wer immer nun dessen ungeteilte Aufmerksamkeit beanspruchen möchte, muss sich zuvor höflich eine Erlaubnis dazu einholen. Die er von ihr natürlich nicht bekommt – sofern er ein Hund ist. Menschen dürfen, auch ohne zu fragen. Menschen sind köstlich, wichtig und anbetungswürdig. Der eigene wird mit großer Eifersucht verteidigt. Und wenn er ohne sie den Raum verlässt wird gepiepst, bis er wiederkommt.
Sie ist sehr aufmerksam und wenn es nach draußen geht, will sie als Letzte wieder hinein: Ihre Welt kann gar nicht groß genug sein! Es gibt ja soviel zu sehen, zu riechen, zu hören, zu erkunden, in seine Schranken zu weisen (als sie die Großen dabei beobachtete, wie die die Pferde von der Weide in den Stall geleitet haben, schaute sie sich das einige Momente interessiert an und warf sich sodann voll Inbrunst in die Leine während sie rief: Lass‘ mich, lass‘ mich! Ich erledige das viel schneller!!). Sie benimmt sich an der Leine pöbelig und immer vorwärts. Die wird richtig super, wenn sich all die angestaute Energie erst eingependelt hat und ihr sportives Ich voll auf seine Kosten kommt (und die Grunderziehung „des guten Hundes“ sitzt – sie ist schlau und talentiert, wurde aber offenbar als Süßhund missverstanden. ‚Nein‘ fällt ihr schwer, aber sie reagiert gut).

Im Haus sind sie beide angenehm. Seit Tag zwei sind die Treppen kein Hindernis mehr, stubenrein sind sie weitgehend auch (dem Baby geschuldet achte ich allerdings auch noch darauf, nicht viele Stunden vergehen zu lassen, bis es das nächste Mal in den Garten geht. Nachts sind sie dicht.)
Beim Autofahren wird ihnen (noch?) schlecht. Ich überlege gerade, ob ich von Morgen- auf Abendfütterung umschwenke.
Rohfutter finden sie beide irgendwie … archaisch. Sie bevorzugen für den menschlichen Verzehr Zubereitetes. Oder Katzenfutter. Ersteres bekommt man in unserem Hause nur schwer, Letzteres ist hier den Katzen vorbehalten, somit eigentlich illegal (wer aber schnell genug ist und nicht gesehen wird …).
Achso! Ja! Katzen. Also … meines Erachtens könnten es beide lernen, wie man mit Katzen zurechtkommen kann. Ich würde jetzt mal frech behaupten, der Erfolg eines solchen Lehrprogramms steht und fällt mit den Lehrkatzen. Sie zeigen beide beides: zwar überdrehtes, aber ehrliches Interesse an dieser fremden, tendenziell gefährlichen Gattung und teuflisches Verlangen, auf alle Knöpfe für Fluchtreflexe bei Katzen gleichzeitig zu drücken. Ergo: coole, hundeerfahrene Katzen: ja, mit Anleitung. Alle anderen lieber eher nicht.

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