Ist es nur dann Glück, wenn einem im Leben nichts Schlimmes widerfährt?

Oder kann es auch Glück sein, wenn man nach jedem Schicksalsschlag wieder aufsteht? Wenn man sich vom Leben einfach nicht unterkriegen lässt?

Wir wissen nicht genau Bescheid über Nives` Vergangenheit. Sie hat aber ein Zuhause oder eher noch einen Hinterhof gehabt, aus dem sie - entweder weil erwachsen und groß oder im Gegenteil nicht gefährlich genug -  hinausgeflogen ist. Worauf sie - planlos und desorientiert und völlig unerfahren - prompt vors nächste Auto gelaufen ist. 

Ihr Glück: der Amtsvet saß in einem der Autos direkt dahinter und konnte sofort aktiv werden.

Ihr Pech: Eines der beiden gebrochenen Hinterbeine konnte nicht gerettet werden.

Wie gut ist die Aussicht eines relativ großen Hundes auf ein lebenswertes Leben auf drei Beinen, von denen eines ebenfalls geflickt ist?

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Wer aber will einen Hund zum Tode verurteilen, der trotz allem - zum Teil sehr Schmerzhaftem - was man mit ihm anstellt, wedelt und sich freut und die Hände leckt, die ihm weh tun?

Das Problem schien sich von selber lösen zu wollen, denn Nives steckte sich in der Klinik mit Staupe an.

Spätestens jetzt stellte sich die Frage, wie sinnvoll es sei, so viel Geld auszugeben für einen Hund, von dem sehr fraglich war, ob er jemals vernünftig würde laufen können und dessen Chancen auf ein eigenes Zuhause bei Null lagen? Und nein - diese Frage ist nicht herzlos, sondern vernünftig. Auch im Tierschutz muss man das Geld haben, um es ausgeben zu können, und es ist immer zu wenig gemessen an der Anzahl der Tiere, die Hilfe brauchen.

Aber Nives starb nicht. Sie wollte leben.

Auch wenn es nun so aussah, als hätte das Glück sie endgültig verlassen. Die Dame, die sie ganz dringend adoptieren wollte, verlor das Interesse, sobald Nives`Rekonvaleszenz abgeschlossen war und sie die Krankenstation im Tierheim hätte verlassen können.

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Nives zog in einen Zwinger im Tierheim, und irgendwie schien es, als werde sie allmählich unsichtbar. Ein Hund unter vielen, nur einer, der sich kaum ein paar Meter auf dem Hinterteil vorwärts schleppen konnte und die meiste Zeit irgendwo herumlag.

Aber wieder hatte Nives Glück. Man fand eine Möglichkeit, sie auf der großen Terrasse vor der Krankenstation unterzubringen. Viel Platz, viel Abwechslung und reger Menschenverkehr.


Womit kaum jemand mehr gerechnet hatte - die unverwüstliche Nives, die nun Grund hatte, sich zu bewegen, robbte unermüdlich dorthin, wo das Leben gerade stattfand. Ihre Muskeln kräftigten sich, das Bein streckte sich - bald war zu erkennen, dass sie mit regelmäßiger Bewegung und physiotherapeutischer Unterstützung zumindest gut genug würde laufen können, um ein hundewürdiges Dasein zu führen.

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Und weil zum Glück noch eine Liebesgeschichte gehört...

Die Apothekerin, die während der langen Zeit, in der Nives in der Tierklinik lag, regelmäßig Kontakt zu ihr hatte, hat die Hündin mit dem sanften Blick und dem Kämpferherzen einfach nicht vergessen können. Aber weil sie zwischenzeitlich in London lebt, mussten vorab eine Reihe organisatorischer Fragen gelöst werden.

Heute hat Nives ihre lange Reise nach Großbritannien angetreten.

Nach Hause!

Viel Glück, kleine Schneeflocke!

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