Ganz ehrlich: ich habe keine Ahnung, was genau diesen Riss bewirkt hat, doch ist deutlich spürbar, dass irgendwas passiert ist. Etwas Gutes, wirklich Brauchbares.
Seit ich sie an Ennio gebastelt hatte, funktioniert sie einwandfrei – ich meine: auch draußen, auch ganz ohne Leine. Sie passt total gut auf, wohin ich mich bewege und lässt sich zuverlässig dirigieren. Mit Wäscheleinenzipfel oder auch ohne. Dabei passiert es natürlich schon mal, dass ich sie aus den Augen verliere, was mir bei einem PFLEGEhund verständlicherweise überhaupt nicht behagt. Nicht beim Spaziergang, so weit entfernt sie sich nicht und ich bin sowieso aufmerksamer, aber bei der Stallarbeit kann es eben schon passieren, dass sie sich um die Ecke schnüffelt und meinem Blickfeld entschwindet, während ich gerade in Sachen Kot unterwegs bin.
Ich kontrolliere dann so gut es geht das kribbelige Gefühl rund um den Solar Plexus (wie soll ich Giovanna erklären, dass ich ihren Hund verloren habe? ICH habe ihn von der Leine gelassen!) und bemühe mich, sie möglichst gut gelaunt zu rufen und in meine Stimme die Gewissheit zu legen, dass sie sogleich um die Ecke geschossen kommt. Und sie tut das. Prompt. Mit ihrem Glitzerschweif aus Freude und Stolz hinter sich.
Das macht ein wahnsinnig gutes Gefühl und erleichtert mir das Pflegestellendasein ungemein. Solche Hunde kann ich in meinem Tagesablauf brauchen.

Sie geht auf Ansage bei Fuß (das ist noch etwas labil, aber es klappt!). Sie interessiert sich nicht für fremder Leute Hunde. Sie jagt nicht. Zitiere ich sie an mein Bein, stemmt sie sich mit aller Kraft dagegen, wickelt sich geradezu um mein Schienbein und der ganze kleine Hund sagt: so magst Du das, gell? Ich mach‘ das, ich kann das, ich bin ein guter, guter, guter Hund! Sag‘ es: jaaa!!
Fällt sie mir beim Spaziergang zu weit zurück, rufe ich sie und freue mich wie ein Kind zur Weihnacht: mit welchem Karacho die kleine Rakete angeflitzt kommt!
Sie ist eine Maschine geworden. Rundherum mit strammen Muskeln bepackt friert sie auch nicht mehr so arg. Nur wenn sie, während ich arbeite, in der Box warten muss verbraucht sie viel Energie zum Warmbleiben. Sie steigt rund ein und etwas spitzer wieder aus, sodass es jetzt auch abends eine Portion Futter gibt. Wir drücken uns beide um das Mäntelchen. Ich finde es peinlich und unpraktisch und die Pinscherin hasst es, also versuchen wir nun erst einmal, ob mehr Futter dieses Problem für uns lösen kann. Falls nicht, gibt es immer noch das Mäntelchen – für ausgesuchte Gelegenheiten.
Vorher bekommt sie aber noch einen -40°Schlafsack in die Box, in den sie sich einkuscheln kann. Vielleicht sind wir dann das Problem auch schon los.

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